
Die junge Nina Cassian ist eine Dichterin zwischen Anpassung und Selbstbehauptung. Der erste Teil ihres Tagebuches beleuchtet die Jahre 1948 bis 1953 in Rumänien. Voller Lebensfreude und „bohemischer Unbekümmertheit“ schließt sie sich der kommunistischen Bewegung an – und wird zum Opfer ihrer eigenen politischen Naivität.
Eindringlich beschreibt sie ihren Konflikt zwischen künstlerischem Anspruch und politischer Anpassung. Offen und schonungslos berichtet sie über ihr bewegtes Liebesleben und ihre Beziehungen zu bedeutenden Schriftstellern, darunter Tudor Arghezi, Ion Barbu und Marin Preda. Eine zusätzliche Perspektive erhalten diese Erinnerungen durch spätere Anmerkungen Cassians. Durch sie wird das Tagebuch einer außergewöhnlichen Künstlerin zu einem eindringlichen Zeugnis des Totalitarismus und seiner Folgen für rumänische Intellektuelle.
Nina Cassian (1924–2014), eigentlich Renée Annie Cassian, wurde als Kind jüdischer Eltern in Galați (Rumänien) geboren. Schon früh erhielt sie eine umfassende Ausbildung in Musik und bildender Kunst. Nach ihrem literarischen Debüt mit dem Gedichtband „Maßstab 1/1“ (1947) veröffentlichte sie Lyrik, Prosa sowie Kinderliteratur und war als Komponistin tätig. 1985 erhielt sie politisches Asyl in den USA, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.